EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Adelebsen

Geschichte:

Der Ort Adelebsen ist erstmals 990 belegt. Das Geschlecht der Herren von Adelebsen erscheint erstmals 1233 in den Quellen, ein Jahr zuvor besaß der der damals erwähnte Thetmar noch den Beinamen "von Wibbecke". Das Geschlecht hat offenbar um diese Zeit seinen Wohnsitz vom 2 km entfernten Wibbecke nach Adelebsen verlegt und benannte sich nun nach seiner neuen Stammburg. 1289 werden sie als edelfreie Herren bezeichnet.
Für die erstmalige Erwähnung der Burg selbst existieren in der Literatur unterschiedliche Angaben: 1253, 1295 oder 1329. 1436 wurde die Burg zum ersten mal aufgeteilt, den drei davon betroffenen Brüdern stand damals schon jeweils ein Wohnhaus neben dem Wohnturm zu Verfügung. 1449 trugen sie die Burg dem Landgrafen von Hessen zu Lehen auf, lösten das Verhältnis aber im Jahre 1499 wieder. 1466 wurde die Burg in Brand gesteckt. 1512 trugen die Herren von Adelebsen ihre Stammburg den Herzögen von Braunschweig-Lüneburg zu Lehen auf und blieben danach im Besitz der Burg. 1626 ist ein großer Teil des Ortes und der Burg niedergebrannt. 1953 ging die Burg im Erbgang an die Grafen von Wolff-Metternich. Für den Erhalt der Burg sorgt seitdem die Stiftung Burg Adelebsen. (Stefan Eismann)

Bauentwicklung:

Früher wurde der Wohnturm in die Anfangsphase der Burg im 13. Jh. datiert. Nach den neueren bauhistorischen Forschungen stammt der untere Teil erst aus der Zeit um 1370/80. Seine zweite Bauphase mit den oberen Geschossen datiert in den Zeitraum 1420-40. Um 1503 wurden die Herren von Adelebsen in eine Fehde mit dem Landgrafen von Hessen verwickelt, die Befestigung der Burg wurde deshalb verstärkt. Die häufige Aufteilung der Burg unter den Erben des Geschlechts bedingte zahlreiche Um- und Neubauten des Gebäudebestands, die hier nicht im Einzelnen nachvollzogen werden können. Das nördlich an den Turm anschließende Vorderhaus wurde 1531 erweitert und 1626 ein Raub der Flammen. An seiner Stelle entstand 1748-50 das Rentamt.
Das Moishus in der Hauptburg wurde in der 2. Hälfte des 14. Jhs. errichtet und um 1600 im Stil der Weserrenaissance umgestaltet; es erhielt dabei einen Treppenturm. Das an das Moishus anschließende Hinterhaus wurde gleichzeitig mit der zweiten Phase des Wohnturms errichtet und um 1600 im Renaissancestil umgebaut. Zwischen 1612 und 1616 wurde die Mittelkemenate auf der Hauptburg durch einen Renaissancebau ersetzt. Der Wiederaufbau nach dem Brand von 1626 zog sich lange hin. Der Turm, der dabei sein Dach verloren hatte, wurde erst am Ende des 19. Jhs. wieder instandgesetzt und durch die heutige Holztreppe erschlossen. Im 15. Jh. wird ein "nyge werk" erwähnt, es ist wahrscheinlich identisch mit dem in Inventarverzeichnissen des 17./18. Jhs. auftauchenden "Rundeil". Danei handelt es sich um ein Rondell mit Brunnen, das um 1740 abgebrochen wurde.
Das Neue Haus auf der Vorburg wird bereits 1436 erwähnt. Nach massiven Umbauten im 17. Jh. dient es heute als Forstamt. Die weiteren Vorburggebäude brannten 1626 nieder und wurden abgerisen. Von einem danach errichteten, zweiflügeligen Fachwerkbau steht heute nur noch der Westflügel.
Das Verteidigungssystem wurde schon im ausgehenden 16. Jh. teilweise niedergelegt und stattdessen die Unterburg angelegt. Um 1740 entstand im Bereich der niedergelegten Befestigung und des eingeebneten Grabens auf der Südseite das "Große Wohnhaus" und das "Neue Amtshaus". Ersteres wurde 1896/97 im Stil der Neorenaissance umgebaut und vergrößert. (Stefan Eismann)

Baubeschreibung:

Die Burg Adelebsen erstreckt sich auf einem Buntsandsteinsporn, der ca. 30 m in das Schwülmetal abfällt. Sie gliedert sich in die Vorburg im Norden, die Oberburg mit dem Bergfried und die Unterburg auf der Südspitze des Sporns.
Das zentrale und älteste Bauteil der Burg ist der neungeschossige, heute feldseitig 38,75 m hohe Turm mit fünfeckigem Grundriss. Ursprünglich dürfte seine Höhe bis zum Dachfirst ca. 55 m betragen haben. Seine Außenmaße betragen ca. 20,90 x 14,77 m. Die ersten drei Geschosse bestehen aus sorgfältig behauenen Sandsteinquadern, während der obere Teil aus deutlich kleineren Sandsteinquadern von einer anderen Farbe aufgemauert wurde. Der untere Teil besitzt als Öffnungen nur Lichtschlitze, der obere Teil wesit hingegen gotische Maßwerkfenster auf. Der Innenraum besticht durch eine ungewöhnlich üppigen Ausbau mit mehreren Kaminen in der ersten Bauphase. Die zweite Bauphase war dagegen karg ausgestattet. Zur Gestalt der Burg am Ende des 14. Jhs. gehörte neben dem damals nur als Stumpf existierenden Wohnturm auch das sog. Moishus, ein Wohn- und Wirtschaftsgebäude im Südosteck. Beide Gebäude waren durch eine Ringmauer von ca. 47 x 32 m Größe eingefasst, die im Norden und Süden laut Zeune als stärkere Schildmauer ausgebildet war. Auf der Nordseite des Turmes steht auf dem Areal des früheren "Vorderhauses" das Rentamt aus dem 18. Jh. Zum Baubestand des 15. Jhs. gehörten dazu noch das Hinterhaus und die Mittelkemenate.
Nördlich der Hauptburg lag die Vorburg, die durch einen Graben abgetrennt war. In ihr stehen das Forstamt von 1685 und das Rentamt von 1748/50 im Rokokostil. Ursprünglich standen hier das nur noch in geringen Resten vorhandene Neue Haus sowie zwei Scheunen, ein runder Turm und ein Tor. Anstelle des verfüllten Burggrabens befindet sich heute auf der Südseite die Unterburg. (Stefan Eismann)

Arch-Untersuchung/Funde:

2011 Bauuntersuchung des Turmes.