EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Stauffenburg

Geschichte:

Die Entstehung der Stauffenburg ist nicht eindeutig geklärt. Wahrscheinlich wurde sie von den Grafen von Katlenburg nach 1050 in ihrer Eigenschaft als Reichsvögte des nahegelegenen Hüttenorts Gittelde errichtet. Ein eigenes Ministerialengeschlecht der Herren von Stauffenburg ist für 1154 bezeugt.
Nach dem Aussterben der Grafen von Katlenburg 1106 kam die Burg im Erbgang an die Welfen. Nach der Ächtung Heinrichs des Löwen ging die Burg 1180 an die Staufer. Die Bedeutung der Burg wird durch den folgenden, Jahrhunderte langen Streit um ihren Besitz zwischen Staufer, Welfen und kirchlichen Instanzen veranschaulicht. 1193 gehörte sie dem Erzstift Magdeburg, das aber seine Ansprüche nicht durchsetzen konnte, so dass sie 1203 an den Welfen Otto IV. ging. 1254 saß in Person von Gunzelin von Wolfenbüttel wieder ein kaiserlich-staufischer Burgmann auf der Anlage. Um 1258 gelangte die Stauffenburg in die Hände der Göttinger Linie der Welfen. 1318 war sie an das Bistum Hildesheim verpfändet. 1360 existierten vorübergehend oberlehensherrliche Ansprüche des Stiftes Gandersheim. Ungefähr ab 1427 war die Burg durchgehend im Besitz der Welfen, dabei ab 1442 der Wolfenbütteler Linie. Zwischen 1495 und 1522 diente sie als Witwensitz der Herzogin Elisabeth, vormalige Gemahlin des Herzogs Wilhelms II. von Braunschweig-Calenberg-Göttingen. Danach nutzte ab 1524 der Herzog Heinrich der Jüngere von Braunschweig-Wolfenbüttel sie als "Lustschloss", in dem er seine Geliebte Eva von Trott versteckte. Zur selben Zeit wurde die Burg auch als Amtssitz und Staatsgefängnis verwendet. Im 30jährigen Krieg besaß die Burg offenbar keine militärische Bedeutung mehr, denn bei den Kampfhandlungen spielt nur noch der nahe gelegene Pass, aber nicht mehr sie selbst eine Rolle. 1713 wird der Amtssitz aus der Burg hinab verlegt in das Vorwerk Lichtenhagen, das darauf Domäne Stauffenburg hieß. Mit diesem Funktionsverlust begann ihr Niedergang. 1776 wird noch von halbverfallenen Zimmern berichtet. Zuletzt diente sie noch bis 1778 als Gefängnis, danach nur noch als Steinbruch. Anfang des 19. Jhs. wurde der Bergfried abgerissen. (Stefan Eismann)

Bauentwicklung:

Beim gegenwärtigen Forschungsstand lassen sich kaum Aussagen zur Baugeschichte treffen. Die Schießscharten im Geschützturm an der Nordseite scheinen erst nachträglich zu Kanonenscharten erweitert worden zu sein. Auf der Westseite könnte ein Wechsel der verwendeten Gesteinsart von Kalk- zu Sandstein auf eine zweite Bauphase hindeuten. (Stefan Eismann)

Baubeschreibung:

Die Stauffenburg befindet sich in 346 m Höhe auf einer der Kuppen des Vorharzes. Sie bedeckt eine Gesamtfläche von ca. 200 x 90 m. Die Oberburg (Hauptburg) auf dem allseitig steil abgeböschten Burgplatz besitzt eine Ausdehnung von ca. 30 x 85 m. Der Burghof ist vollständig von Gebäuden umringt. Im Süden und Osten befinden sich die Nebengebäude, der Palas mit den Wohnbauten auf der höchsten Stelle im Nordwesten. Östlich grenzt an diesen Trakt ein schmaler, 30 m langer Torzwinger an, der am heute verschwundenen Tor beginnt. Das rechte Torgewände ist noch vorhanden, dazu das Fundament eines halbrunden Torflankenturmes. Der Palas läuft im Westen in eine nach Art einer Bastion herausgezogene, scharfe Ecke aus, die die Angriffsseite abschirmt. Zur weiteren Sicherung ist zwischen dieser Ecke und dem Burgtor ein halbrunder Turm mit Schießscharten vor die Ringmauerflucht gestellt. Auf der Südwestseite des Hofes befindet sich der in die Ringmauer und die Bebauung eingebundene, quadratische Bergfried von ca. 7 x 7 m Grundfläche. Dessen Untergeschoss ist von einer Spitztonne überwölbt. Nennenswerte Reste der Ringmauer sind nur noch auf der Nordostseite des Burghofes erhalten. Alle übrigen Baustrukturen sind stark verfallen. Rund um die ganze Oberburg zieht sich ca. 20 m tiefer nach Art eines Zwingers die 10-20 m breite, terrassierte Unterburg. Auf dem Stich von Merian aus dem Jahr 1654 scheint die Unterburg nur von einer Holzbefestigung umgegeben zu sein. Ein Grabungsschnitt am Südosteck erbrachte aber Mauerwerk. Am Westende der Unterburg befindet sich ein Vorberg, der von der Oberburg durch einen breiten Halsgraben getrennt ist. Dieser künstlich abgeböschte und terrassierte Hügel von ca. 20 x 30 m Fläche weist an seinem Fuß noch einen Ringgraben mit Vorwall auf.
Der einzige bekannte Brunnen befindet sich außerhalb der Burg. (Stefan Eismann)

Arch-Untersuchung/Funde:

Suchschnitte 1976.