EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Kanstein

Geschichte:

Die Burg auf dem Kanstein erscheint ungeachtet ihrer Größe nicht in den bekannten Schriftquellen. Über ihre historische Rolle können deshalb nur Vermutungen angestellt werden. In unmittelbarer Nähe befinden sich zwei Furten, auf denen der Hellweg bzw. die via regis die Innerste überquert. Ihren Ursprung besaß die Burg sehr wahrscheinlich im Landesausbau des Densigaues unter Ludwig dem Frommen im zweiten Viertel des 9. Jhs. Angenommen wird auch eine spätere Funktion zur Sicherung der Herrschaft der Ottonen im Nordharzgebiet. Nach dem Tode Ottos III. dürfte sie an Bedeutung verloren haben, als Heinrich II. die Pfalz Werla nach Goslar verlegte, und schließlich aufgegeben worden sein.
Als Ortsbezeichnung erscheint die "Hindenburg" 1311. Im 15. Jh. war die Burgstelle in den Händen der Herren von Salder als Lehen des Markgrafen von Brandenburg. (Stefan Eismann)

Bauentwicklung:

Die ergrabenen Strukturen in der Hauptburg sind flächenmäßig zu gering, als dass eine Phaseneinteilung möglich wäre. Ein Teil der an die Mauerinnenseite angelehnten Innenbebauung scheint einer jüngeren Bauphase anzugehören. Die Vorburg dürfte in einer späteren Bauphase entstanden sein, der Abbruch der dortigen Bautätigkeit könnte mit der Verlagerung des Herrschaftszentrums von der Pfalz Werla zur Pfalz Goslar zu Beginn des 11. Jhs. zusammenhängen. (Stefan Eismann)

Baubeschreibung:

Die Hünenburg oder Hindenburg auf dem Kanstein ist heute größtenteils durch einen Kalksteinbruch zerstört. Sie lag auf einem nach Nordosten abfallenem Plateau über dem Tal der Innerste. Die Westflanke ist durch den Steilabfall zur Innerste geschützt, der Süden durch einen Taleinschnitt. Die viereckige Hauptburg besaß eine Größe von ca. 130 x 150 m. Im Norden war eine 60 m breite Vorburg vorgelagert, die aber nur im Norden durch einen 180 m langen Wall mit Steinmauer und Graben geschützt war. Der weitere Ausbau wurde abgebrochen bzw. im Osten und Süden wohl gar nicht erst begonnen. Die Hauptburg war durch eine ca. 1,5 m breite und bis zu 4 m hohe Steinmauer mit Sandsteinquaderverblendung geschützt, die meist in der Wallmitte, im Osten aber am äußeren Wallfuß verlief. Davor lagen eine 3-5 m breite Berme und ein mind. 3 m tief in den Felsen eingegrabener, 5-6 m breiter Sohlgraben. Dieser fehlt im Südwesten und Westen. Im Südwesten der Hauptburg wurde an ihrer höchsten Stelle ein Steingebäude von 19,3 x 10,4 m Größe freigelegt, das im Verbund mit der Burgmauer errichtet worden und durch einen eigenen Wall mit davor liegendem Spitzgraben geschützt war. Die Ausgrabungen erbrachten zudem wenige Hinweise auf weitere, an der Außenmauer ansetzende Gebäude.
Die Burg besaß zwei Kammertore, ein nur noch fragmentarisch erhaltenes im Nordosten und ein sehr gut erhaltenes im Südosten. Bei diesem schloss sich an eine gepflasterte Torgasse ein rechteckiges Torhaus an. Der Graben wurde über eine Erdbrücke überquert.
Die Endphase des Nordwalls weist Brandspuren auf, die ein Hinweis auf ein gewaltsames Ende der Burg darstellen können.
Einige Schlackenhaufen deuten auf Verhüttungstätigkeiten wahrscheinlich nach der Belegungszeit der Burg hin, 1285/86 wird eine dort gelegene Hütte erwähnt.
200 m südlich der Südostecke befand sich auf der Kuppe des Kanstein ein 6 m breites, rundes Loch, wohl der Überrest einer Warte. (Stefan Eismann)

Arch-Untersuchung/Funde:

Vermessung 1910.
Ausgrabungen 1950/51, 1953, 1961, 1964, 1967, 1979/80
mit Fundmaterial des Zeitraums zwischen der ersten Hälfte des 9. Jhs. und der Zeit unmittelbar nach dem Jahr 1000, u. a. die ältesten Schachfiguren Deutschlands.