EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Harste

Geschichte:

Die Burg in Harste ist erstmals 1294 bezeugt, als sich Herzog Albrecht II. von Braunschweig mit der Stadt Göttingen wegen deren Zerstörung des castri Herste aussöhnt. Der Zeitpunkt der Erbauung der Burg durch die Braunschweiger Herzöge ist unbekannt, Pischke vermutet ihn im Zusammenhang mit der Stärkung der welfischen Position in Südostniedersachsen gegen das Bistum Hildesheim nach der Mitte des 13. Jh. Wahrscheinlich sei dabei der Zeitraum zwischen 1260 und 1279, als mit Otto von Braunschweig ein Welfe als Hildesheimer Bischof amtierte und diesen Bestrebungen wenig Widerstand entgegensetzte. In einer Urkunde von 1313 wird dem Kloster Bursfelde Entschädigung für Landverluste gewährt, die es durch den Bau der Burg erlitten hatte. Laut der Hildesheimer Bischofschronik ist die Burg durch Bischof Siegfried (1279-1310) für das Bistum erworben und zur Beseitigung der von ihr ausgehenden Bedrohung zerstört worden. Bis 1294 war sie aber wieder aufgebaut worden und befand sich abermals in welfischem Besitz. Der erneute Wiederaufbau nach der Zerstörung von 1294 durch die Göttinger Bürger fand bis 1308 statt.
1354 wurden vom Herzogtum Göttingen verpfändete Anteile an der Burg zurückerworben, 1356 auch der an die Herren von Gladebeck verlehnte hildesheimische Besitz in Harste.
Damit waren die Voraussetzungen geschaffen, dass die Burg fortan als Nebenresidenz dienen konnte. 1367 starb hier Herzog Ernst und seine Söhne Otto der Quade und Otto Cocles urkundeten auf der Burg. 1373 wird erstmals ein Amtmann auf der Burg erwähnt. Im 14. und 15. Jh. war die Burg oder Teile davon häufig verpfändet. Als Herzog Otto 1437 die Regierung des Fürstentums Göttingen seinem Vetter Herzog Wilhelm von der Calenberger Linie übergab, lieh im dieser Geld zur Auslösung der verpfändeten Häuser Moringen, Seesen und Harste. Sie kamen aber als Pfand für die Rückzahlung der Summe an Herzog Wilhelm. 1466 wurde die Burg in einer Fehde durch Göttinger Bürger in Verbund mit anderen sächsischen Städten niedergebrannt. 1495 kam die Burg bei einer weiteren welfischen Erbteilung an das Fürstentum Calenberg-Göttingen. Die Burg verlor ihre Rolle als Residenz, blieb aber bis 1823 Amtssitz. Danach wurde sie bis 1968 Domäne, seitdem befindet sich dort eine Teppichhandlung. (Stefan Eismann)

Bauentwicklung:

Die Burg ist im Mittelalter dreimal zerstört und wiederaufgebaut worden, wobei sich die Details unserer Kenntnis entziehen. Im Zuge der Umgestaltung der Burg in eine schlossartige Residenz durch den Drosten Ludolf von Bortfeld wurde zwischen 1568 und 1575 das Hauptgebäude durch ein Amtshaus ersetzt, das angeblich hinter dem heutigen Haus lag. 1727 brannte das Amtshaus ab und wurde durch einen Neubau ersetzt. Damals wurde wahrscheinlich auch der Wassergraben verfüllt. (Stefan Eismann)

Baubeschreibung:

Die Burg lag im Westteil von Harste an der Stelle der späteren Domäne, präziser wahrscheinlich an der Stelle ihres Ostflügels. Über ihre Gestalt liegen keine sicheren Nachrichten vor. 1373 werden in einer Pfandurkunde ein alter Turm mit Graben und eine Kemenade erwähnt, die sich bis zur herzoglichen Kirche erstreckte. 1399 hat die Burg laut einem Ausgabenregister ein Torhaus und einen Bergfried besessen. Das Amtshaus aus der Mitte des 16. Jhs. bestand laut einem Stich von Merian von 1654 aus einem zweistöckigen Massivbau mit Fachwerkobergeschoss und zwei Treppentürmen. Umgeben war es von Wirtschaftsgebäuden. Ein von der Harste gespeister Wassergraben umschloss das Amtshaus und zwei weitere Gebäude.
Das heutige Amtshaus aus dem Jahr 1727 ist ein schlichter, dreistöckiger Steinbau mit Walmdach. (Stefan Eismann)

Arch-Untersuchung/Funde:

Bei Bauarbeiten wurden Mauerwerk und ein Keller beobachtet.