EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Osterstein

Geschichte:

In exponierter Lage über einer siedlungsfreundlichen Talweitung des Elstertals und nahe einem - wie umfangreiche Altwegereste bezeugen - lange und intensiv genutzten Flussübergang, bildete die Burg auf dem Osterstein bei Gera möglicherweise schon in slawischer Zeit ein regionales Herrschaftszentrum. Eine auf älteren slawischen Siedlungs- und Herrschaftsstrukturen aufbauende deutsche Burgwardverfassung, wie sie für die östlich und nördlich benachbarten Gebiete belegt ist, lässt sich anhand der Schriftquellen für den Geraer Raum nicht eindeutig nachweisen. Als Kaiser Otto III. 999 die "provintia" Gera der Äbtissin Adelheid von Quedlinburg übertrug, übernahm das Stift vermutlich auch die bereits bestehende Burg auf dem Osterstein. Umfangreichere Baumaßnahmen werden aber erst ab der Wende vom 12. zum 13. Jh. archäologisch fassbar. Etwa zu gleicher Zeit setzen die Belege für die Tätigkeit der Reichsministerialen von Weida (ca. 10 km südlich G.) als Stiftsvögte über den quedlinburgischen Besitz in Gera ein. Sie sind daher als Bauherren und Nutzer der Burg anzusehen. Nach Gründung der Stadt Gera im 1. Drittel des 13. Jh. erscheinen Burg und Stadt stets als gemeinsamer Besitzkomplex, bis ins 15. Jh. als quedlinburgisches Lehen, ab Mitte des 14. Jh. als wettinisches Afterlehen. Trotz ihrer ministerialischen Herkunft konnten die Vögte, die bereits im frühen 13. Jh. eine eigene Geraer Linie ausbildeten, in dem nach ihrem Titel benannten Vogtland einen nahezu uneingeschränkten Territorialausbau vorantreiben. Gera bildete dabei, neben anderen Territorien wie Weida und Plauen, eine weitgehend selbstständige Herrschaft. Sie blieb als Unterherrschaft Reuß jüng. Linie bis 1918 bestehen, und so lange wurde auch die Burg bzw. das Schloss als Wohn- und Regierungssitz der Herren von Gera genutzt. (Christine Müller)

Bauentwicklung:

Aus der Zeit der Nutzung des von einer frühgeschichtlichen Wall-Graben-Anlage geschützten Bergsporns durch Slawen sind bislang keine baulichen Spuren bekannt. Die nachweisbare Bautätigkeit in Stein setzt im späten 12./frühen 13. Jh. ein mit dem Befund von zerbrochenen Backsteinen, die keinem lokalisierbaren Gebäude zuzuordnen sind. Aus dem 13. Jh. Mauerstrukturen im nördlichen Vorburgbereich und umfangreiches Scherbenmaterial.
Zum Kernburgareal liegen keine archäologischen Untersuchungen vor. Der Bergfried dürfte im mittleren 13. Jh. entstanden sein, sonst keine mittelalterlichen Bauten erhalten. Die nach 1945 mit abgerissene Burgkapelle stammte nach ihrem Grundriss als kleine Saalkirche mit halbrunder Apsis im Kern aus romanischer Zeit (urkundliche Nennung 1234).
Ab spätmittelalterlicher Zeit, v. a. im 17. und 19. Jh., zahlreiche Um- und Neubauten, die bis auf die unteren Teile der Außenmauern am Hang 1962 abgetragen wurden. (Christine Müller)

Baubeschreibung:

Das ca. 2,5 ha große Areal nördlich des großen Walls ist unterteilt durch einen nachträglich abgetieften Halsgraben, der die Kernburg vom südlichen Vorfeld trennt. Inwieweit der Bereich zwischen Wall und Kernburg militärische oder ökonomische Funktionen einer Vorburg übernahm, ist unklar. Von der Kernburg nur der Bergfried erhalten. Nach Lage der Schlossbauten wahrscheinlich schon im Mittelalter Randhausbebauung. Die tiefer gelegene nördliche Vorburg (unterer Schlosshof) früher durch einen Graben mit Brücke von der Kernburg getrennt. Sie erstreckte sich evtl. weiter nach Norden bis in den Bereich des späteren Lustgartens (dort archöolog. Grabungsbefunde). (Christine Müller)

Arch-Untersuchung/Funde:

zahlreiche Lesefunde im südlichen Vorburgbereich, am Wall und am östl. Berhang durch Bodendenkmalpfleger (v. a. bronzezeitliche, slawische und frühdeutsche Keramik);
1990er Jahre Grabung nördlich der Kernburg (slaw. Keramik ab 10. Jh.; viel Keramik und Baureste 13. Jh.; Backsteinschutt in einer Schicht des frühen 13. Jh.)