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Pfalzgrafenstein

Geschichte:

Zwischen 1277 und 1291 hatte der rheinische Pfalzgraf Ludwig II. aus dem Hause Wittelsbach, die dieses Pfalzgrafenamt seit 1214 ausübten, den gesamten Besitz zu Kaub mit der gleichnamigen Burg und den lukrativen Zollrechten von den Reichsministerialen von Bolanden-Falkenstein erworben. Als Initiator der auf einer Rheininsel gelegenen Zollburg gilt Kaiser Ludwig der Bayer. Ungeachtet der Proteste der rheinischen Erzbischöfe und eines päpstlichen Bannspruchs ließ er auf einem der Stadt Kaub vorgelagerten Felsriff inmitten des Rheins 1326/27 einen Turm errichten und diesen um 1337/39 zusätzlich durch eine sechsseitige Ringmauer mit Wehrgang verstärken. 1803 bis 1866 gehörte der Pfalzgrafenstein zum Herzogtum Nassau, dann zum Königreich Preußen, das die Zollerhebung schließlich einstellte. Heute befindet sich die Burg Pfalzgrafenstein im Besitz der Staatlichen Schlösserverwaltung Rheinland-Pfalz (Burgen Schlösser Altertümer). Geschichtliche Bedeutung erlangte der Pfalzgrafenstein schließlich durch den Rheinübergang des Generals Blücher in der Neujahrsnacht 1813/1814. (Reinhard Friedrich)

Bauentwicklung:

Zum ältesten Baubestand der Zollburg aus den Jahren 1326/27 zählt der inmitten der Anlage stehende fünfeckige Turm, der 1714 eine schwungvolle barocke Haube erhielt. 1338/39 wurde er von einer sechsseitigen Ringmauer mit Wehrgang umgeben. Kurfürst Friedrich IV. von der Pfalz verstärkte die 1605-07 vom Eisgang bedrohte Südspitze der Ringmauer durch starkes Quadermauerwerk und errichtete darüber eine Geschützbastion. Etwa zur gleichen Zeit erhielt die Ringmauer Schießscharten für Handfeuerwaffen. An der Innenseite entstand ein hofseitiger Wehrgang über Arkaden. 1658 wurde die Anlage an der Außenseite durch vorkragende, verschieferte Erker bereichert. In den Jahren 1970-74 und 2005 erfolgten weitere Sanierungen. 1972 konnte der Verputz mit weiß-roter Farbgebung des 18. Jahrhunderts nach Befunden erstmals wiederhergestellt werden. (Reinhard Friedrich)

Baubeschreibung:

Die gesamte Anlage ist noch vollständig und weitgehend unversehrt erhalten. Mittig frei im Hof erhebt sich der zuerst errichtete, fünfeckige Turm (8,5 m Breite, 9,5 m Länge), dessen Spitze gegen den Strom gestellt ist. Er weist sechs Geschosse auf (Höhe 21 m), der ehemalige Zugang befindet sich im dritten Geschoss. Das dritte und fünfte Geschoss sind tonnengewölbt, die übrigen haben Balkendecken. Eine Wendeltreppe im Turmdreieck verbindet die Geschosse. Den oberen Abschluss bildet eine Wehrplattform. Das Dach in Form einer achteckigen Haube mit offener Laterne wurde 1714 errichtet. Den Turm umgibt eine zwischen 1338-1342 errichtete, lang-sechseckige (Grundriss 51 x 21 m), 12 m hohe Ringmauer von 2,60 m Stärke, die fast die gesamte Insel einnimmt. Ihre Südspitze, die auch enge Wohnbauten birgt, ist ebenfalls gegen den Strom und somit den Eisgang gestellt, so dass die Gesamtanlage wie ein gut befestigtes Schiff im Wasser wirkt. Die beiden unteren Geschosse der Ringmauer haben hofseitig offene Arkaden und darüber eine hölzerne Galerie und sind mit Schießnischen bzw. außen mit entsprechenden Schießscharten für Armbrüste bzw. Handfeuerwaffen ausgestattet. Außen sind sie durch hölzerne Klappläden geschützt. Den oberen Abschluss bildet ein um 1658 modernisierter umlaufender, überdachter Wehrgang mit Schießscharten für Feuerwaffen. Die Ringmauer ist außen an allen Ecken durch polygonale Ecktürmchen (Tourellen) mit Kegeldach geschützt. Diesen sind 1658 noch hölzerne Auslughäuschen nach Art mittelalterlicher Kampfhäuschen zur Flankendeckung vorgesetzt, die sich hier beispielhaft erhalten haben. An der Westmauer befindet sich ein Aborterker. Der erhöht gelegene Zugang liegt an der NO-Seite und ist mit einem Fallgitter ausgestattet. Darüber liegt die Wohnung des Kommandanten, ein kleiner verschieferter Fachwerkbau. Außen ist die gesamte Mauer durch einen umlaufenden Rundbogenfries verziert.
Die stromseitige Südspitze wurde 1607 verstärkt, in dem ihr eine spitze Bastion in vorzüglicher Quadertechnik für den Einsatz von Artillerie vorgesetzt wurde. Sie besteht aus zwei gewölbten Geschossen, das untere hat innen wohl seit 1339 einen Brunnen, im ersten Obergeschoss befindet sich das Pulvermagazin. Das zweite Obergeschoss birgt die eigentliche nochmals vorkragende Geschützbatterie. Die rot-weiße Farbfassung wurde 1972 wiederhergestellt und entspricht der barocken Farbgestaltung. An der vordersten Spitze der Bastion befindet sich der steinerne kurpfälzische Wappenlöwe mit dem Wittelsbacher Wappen aus blau-weißen Rauten. (Reinhard Friedrich)