EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Boyneburg

Geschichte:

Die durch schriftliche Quellen gesicherten Anfänge der mittelalterlichen Boyneburg reichen mindestens bis in das frühe 12. Jahrhundert zurück. Archäologische Untersuchungen belegen bereits eine Besiedlung des mit einer Wallanlage gesicherten 4,5 ha großen Plateaus des Berggipfels in vor- und frühmittelalterlicher Zeit . Eine erste sichere Nachricht, die die Existenz einer hochmittelalterlichen Burg belegt, datiert in das Jahr 1107. Die Quelle berichtet von der Zerstörung der im Besitz der Grafen von Northeim befindlichen Boyneburg durch Heinrich V. Vermutlich wurde die Anlage bald darauf wieder hergestellt und befand sich 1123 erneut in den Händen der Northeimer. Nach dem Aussterben der Dynastenfamilie 1144 fiel die Boyneburg als Lehen an das Reich zurück. Zwischen 1150 und 1165 wurde die Anlage durch den Abt Marquart von Fulda, dessen Abtei über umfangreichen Besitz in der Region verfügte, im Auftrag Friedrichs I. Barbarossa als Reichsburg ausgebaut. Insgesamt lassen sich drei Aufenthalte Kaiser Friedrichs I. von Staufen auf der Boyneburg nachweisen (1156, 1166 und 1188). Im Kontext des Besuchs vor seinem Aufbruch zum Kreuzzug 1188 lässt das Reichsoberhaupt 1188 die Burgkapelle weihen (Patrozinium der Gottesmutter Maria und des Apostels Petrus). Bereits zur Zeit der Grafen von Northeim (1138) benannten sich Ministerialen nach der Boyneburg. Sie bildeten später drei unterschiedliche Linien der Herren von Boyneburg aus, die gemeinsam mit weiteren Adeligen die Burgmannschaft stellten. Parallel zum wachsenden Bedeutungsverlust der Reichsburg im Spätmittelalter gelang den Herren von Boyneburg der Aufbau einer eigenständigen Herrschaft im Umfeld der Burg. Anlässlich der Erhebung Landgraf Heinrichs I. von Hessen in den Reichsfürstenstand, erhielt er von König Adolf von Nassau 1292 als Reichslehen die Boyneburg sowie die Stadt Eschwege. Den Herren von Boyneburg gelang es bis ins Spätmittelalter, sich erfolgreich der Mediatisierung zu widersetzen. Erst 1446 wurde die Burg mit dem 16 Orte umfassenden Gerichtsbezirk als hessisches Lehen anerkannt, In der Folgezeit konnten die in mehrere Linien gespaltenen Herren von Boyneburg den Sonderstatus ihrer Herrschaft wahren. Seit 1660 bildete die Herrschaft Boyneburg ein Kontominat des Landgrafen und der Samtfamilie von Boyneburg. Nach dem Aussterben der Linie Boyneburg-Honstein 1792 zog Hessen deren Lehnsanteil ein und konnte schließlich durch Ankauf bis 1803 die übrigen Einkünfte und Herrschaftsrechte in landesherrlichen Beisitz bringen.
Die bedeutende Adelsfamilie stellte drei Äbte in Hersfeld und einen Abt von Corvey. Seit dem 14. Jahrhundert verfügten die unterschiedlichen Linien der Boyneburg über adelige Wohnsitze in Sontra, Wanfried, Brandenfels, Gerstungen und Wildeck. Die namengebende Stammburg büßte in nachmittelalterlicher Zeit Ihre Bedeutung als Wohnsitz der Adeligen ein, die als Wohnsitz im 16. Jh. u. a. den Hof Datterpfeife (1460 erwähnt) am Fuße des Burgbergs bevorzugten. Der Adelssitz erhielt schließlich nach der Aufgabe der Höhenburg, die im Dreißiigjährigen Krieg 1626 geplündert und 1637 teilweise zerstört wurde, den Namen Boyneburgk. Auf der Burg lässt sich bis 1672 ein Burgvogt nachweisen, so dass Teile der Anlage offenbar noch bewohnbar waren. Schließlich erfolgte die endgültige Aufgabe der Anlage, deren Bestand durch Steinraub in der Folgezeit stark reduziert wurde. Erste Sicherungsmaßnahmen erfolgten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Das 1945 eingestürzte Torhaus der Hauptburg wurde 1952/53 wieder hergestellt und erhielt ein Dach. Seit Mitte der 1980er Jahren fanden auf dem Burggelände Lehrgrabungen des Instituts für Ur- und Frühgeschichte der Freien Universität Berlin statt.
(Jens Friedhoff)

Bauentwicklung:

Für die Boyneburg zeichnet Gerd Strickhausen, in seiner kleinen, 1993 veröffentlichten Monographie eine mehrphasige Bauentwicklung nach, von denen sich die beiden ersten Abschnitte jedoch nicht im Bestand, sondern lediglich anhand der schriftlichen Überlieferung nachweisen lassen. Die älteste Burg - eine Gründung der Grafen von Northeim - wurde wohl vor oder um 1100 gegründet und bereits 1107 durch Heinrich V. zerstört. Lage, Größe und Aussehen der Gründungsanlage sind unbekannt. Danach wurde die Burg offenbar wiederaufgebaut und 1123 befand sich die Anlage erneut in den Händen der Grafen von Northeim, die sich nach der Burg benannten. Auch hier lassen sich bislang keine sicheren Reste nachweisen. Nach dem Erlöschen der Dynastenfamilie von Northeim gelangte die Burg in den Besitz des Reichs. Abt Marquard ließ die Burg zwischen 1150 und 1165 im Auftrag des Reichsoberhaupts, Friedrichs I. Barbarossa, wieder aufbauen. Archäologisch deuten Reste einer halbrunden Befestigung im Südwesten des bereits in der Vor- und Frühgeschichte als Höhensiedlung genutzten Plateaus auf diese Bauphase. Sehr wahrscheinlich wurde zu dieser Zeit das gesamte Plateau neu befestigt. Weitere Spuren einer Bebauung, die in das 3. Viertel des 12. Jahrhunderts zu setzen sind, wurden im Zuge der archäologischen Untersuchung im Bereich des Vorwalls an der Südseite des Plateaus festgestellt. Zur gleichen Zeit entstand auf dem nach Norden auslaufenden Sporn die hochmittelalterliche Hauptburg mit einem Palas und polygonalen Ringmauern mit Buckelquadern (Burg mit Pfalzfunktion). Infolge des fortschreitenden Bedeutungsverlusts der Reichsburg wurde das weitläufige Plateau (4,5 ha) vermutlich als Befestigungsanlage aufgegeben und die Herren von Boyneburg beschränkten sich auf den Ausbau der Hauptburg im Norden der Gesamtanlage. Im zweiten Drittel des 14. Jahrhunderts wurden an der Südseite der Kernburg neue Ringmauern mit einem Tor und dem fünfeckigen Bergfried an der Angriffsseite errichtet. In die Mitte oder in die zweite Hälfte des 14. Jahrhunderts datiert Strickhausen zwei sich an den Palas anschließende turmartige Wohngebäude (Wohntürme?), die er den Boyneburg-Laudenbach und Boyneburg-Stedtfeld zuweist, während sich der Palas offenbar im Besitz der Honsteiner Linie befand. Einer der Wohnbauten (Gebäude II), enthielt vermutlich eine Burgkapelle. Kurz vor oder um 1400 entstand vor dem Burgtor ein schmaler Torzwinger. Zu den letzten baulichen Aktivitäten, die in das erste Drittel des 15. Jahrhunderts fallen, gehört der Bau des großen Zwingers an der Westseite der Kernburg sowie das noch erhaltene Torhaus mit einer Kapelle im ersten Stock und einem darüber gelegenen Wehrgeschoss. Ungeachtet von Plünderungen und teilweiser Zerstörung während des Dreißigjährigen Krieges wurde die Anlage partiell noch bis 1672 genutzt und dann endgültig aufgegeben. (Jens Friedhoff)

Baubeschreibung:

Östlich von Wichmannshausen erhebt sich auf einer exponierten Bergkuppe die weitläufige Boyneburg. Die Anlage umfasste zumindest zeitweise das 4,5 ha umfassende, von einem Wall umgebene Areal einer vor- bzw. frühmittelalterlichen Höhensiedlung und auf einem Sporn in deren Nordteil die hochmittelalterliche Kernburg. Ursprünglich diente die umwallte Fläche, die auch Siedlungsspuren des Hoch- und Spätmittelalters aufweist, als Vorburg. Erst nach dem Bedeutungsverlust der Reichsburg wurde diese aufgegeben und die baulichen Aktivitäten beschränkten sich auf die Kernburg, die durch einen Halsgraben von dem Plateau abgetrennt wird. Der Grundriss der Kernburg orientiert sich an der Geländetopographie und erstreckt sich in Nord-Süd-Richtung. An der Süd- sowie an der Westseite war die Burg durch spätmittelalterliche Zwingeranlagen gesichert. An der südlichen Angriffsseite hat sich das spätmittelalterliche Torhaus mit einer Kapelle im ersten Obergeschoss sowie einem darüber gelegenen Wehrgeschoss erhalten. Nach dem Einsturz des Torhauses 1945 erfolgte 1952/53 die Wiederherstellung und die Bedachung des Gebäudes. Im Inneren verweist eine Heiligennische auf die dort befindliche Kapelle. Im Kontext von Sicherungsarbeiten wurde im Inneren des Torhauses ein romanisches Schildbogenkapitell als Spolie - vermutlich aus dem Bauschutt der Hauptburg geborgen - eingemauert. Unmittelbar neben dem Torhaus hat sich von dem fünfeckigen Bergfried, der eine Höhe von 24 Metern erreichte, die Südspitze erhalten. Die Oberkante des Turmes wurde 1952/54 rekonstruiert. Der Turmrest weist zweischaliges Mauerwerk mit einer Mauerschale aus Kalkstein mit hellgelbem Sandstein auf. Besondere Aufmerksameit verdienen die Eckbuckelquader, die aus rotem Sandstein angefertigt wurden. Das untere Geschoss des Turmes, der zur Angriffsseite eine Mauerstärke von 2,80 Metern und ansonsten lediglich ein schwaches Mauerwerk von 1,20 Metern aufweist, lässt Reste einer Wölbung erkennen. Die übrigen Geschosse waren durch Holzdecken voneinander geschieden. Auf dem Areal der Hauptburg sind ferner Reste der Ringmauern sowie von drei Gebäuden an der Nordostseite erkennbar. Es handelt sich um den romanischen Palas sowie zwei sich im Süden an diesen anschließende drei- bis viergeschossige Wohnbauten (Wohntürme), der im Spätmittelalter als Ganerbenburg der Herren von Boyneburg genutzten Burganlage. (Jens Friedhoff)

Arch-Untersuchung/Funde:

Ende der 1980er Jahren fanden im Bereich des weiträumigen Burgplateaus (4,5 ha) Lehrgrabungen der Freien Universität Berlin statt. (Jens Friedhoff)